Corona ist in Gambia angekommen.

Eine Gambierin, die aus GB kam und sich selbst mit Fieber im Krankenhaus meldete, wurde positiv auf das Coronavirus getestet.
Daraufhin wurden ankommende Fluggäste in Quarantäne gebracht, von denen einige sich selbstständig aus dem Hotel entfernten und bisher trotz Suche nicht gefunden werden konnten. Schwerwiegend ist jedoch der Tod eines Mannes aus Bangladesch, der schon vor 10 Tagen über Land eingereist war und in dieser Zeit mehrere Koranschulen besuchte, dort predigte und Kontakt mit vielen Menschen hatte. Er verstarb in einem Ambulanzfahrzeug auf dem Weg ins Krankenhaus, wo dann das Virus festgestellt wurde.
Heute wurde ein dritter Fall bekannt. Es handelt sich um einen Gambier, der GB einreiste und sich seit mehreren Tagen in einem Dorf aufhält, positiv getestet.

Erste Reaktionen der Regierung
Über Rundfunk und Fernsehen wurde die Bevölkerung informiert und aufgeklärt. Alle Schulen und Ausbildungsstätten wurden geschlossen, alle Flüge sind gestrichen, die Grenze zum Senegal wurde geschlossen. Die letzten Touristen wurden gestern abgeholt und ausgeflogen. Die meisten Restaurants und Cafés sind geschlossen, der Markt ist eingeschränkt.
Die Supermärkte sind geöffnet und auch noch gut bestückt. Die Kinder sollen zu Hause in ihren Familien bleiben. Über Radio und TV werden Schulprogramme angeboten, die zum selbstständigen häuslichen Lernen anhalten sollen.

Was bedeutet das für die Menschen?
Die Auswirkungen werden schnell zu spüren sein. Die meisten Menschen hier haben keine finanziellen Reserven. Wenn Jobs wegfallen, Frauen auf dem Markt nicht mehr verkaufen können, Taxis keine Kunden mehr haben und Hotels leer stehen, werden sehr viele Familien bald nichts mehr zu essen haben.
Der Präsident hat 500 Millionen Dalasis für die Bekämpfung der Seuche versprochen. Übrigens ohne das Parlament zu beteiligen, was gegen die Verfassung ist. Die Frage ist nun, wie dieses Geld verwendet wird. Wird es Transparenz geben? Wird das Parlament endlich zu einer Sondersitzung zusammenkommen? Wann und wie wird die Öffentlichkeit unterrichtet? Ähnlich wie in Deutschland sollte es ein wirtschaftliches Hilfepaket geben. In einem Notprogramm für Familien ohne Einkommen sollte schnell eine Art Tafel eingerichtet werden. Allgemeine Verhaltensregeln, wie Abstand halten, Hände waschen, kein Zusammenkommen in Gruppen oder Versammlungen werden propagiert, aber es muss auch sichergestellt sein, dass sie eingehalten werden. Die meisten Kirchen sind geschlossen, die Moscheen aber nicht.
Das Hauptproblem ist, wie soll man in zwei Zimmern für 10 Menschen Abstand halten? Die einzige Hoffnung bleibt, dass sich das Virus in der Wärme doch nicht so explosiv ausbreitet. Aber das ist auch nicht sicher. Ich war heute am menschenleeren Strand spazieren, warmes Wasser, warmer Wind, fantastische Sicht bei klarem Himmel, keine aufdringlichen Buben, für mich persönlich lässt sich die Pandemie hier vielleicht besser als in Berlin oder sonst wo in Europa aussitzen. Nicht wirklich tröstlich.

Was bedeutet das für unsere Schule?
Wie bereits berichtet, ist unser Schule zunächst bis zu 24. April 2020 geschlossen. Wie es dann weitergeht, kann niemand sagen. Für den Monat März und April ist die finanzielle Situation für die Schule gesichert. Die meisten Elternbeiträge (schoolfees) sind bezahlt und die Lehrkräfte erhalten weiterhin ihre Gehälter. Da die technischen Möglichkeiten wie Homeoffice oder Lernen mit Hilfe von Lernprogrammen sehr begrenzt bis gar nicht möglich sind, findet auch wenig Lernen im schulischen Sinne statt. Es werden aber Lernprogramme über Radio und Fernsehen ausgestrahlt. Wenn es wie in Deutschland außerhalb der eigenen Familie Kontaktverbote gibt, womit man rechnen muss, dann sind die Chancen der Kontaktaufnahme für unsere Lehrkräfte gering.

Können wir ad hoc etwas tun?
Angesichts der vorhersehbaren Nöte, die entstehen werden, ist es zunächst die Aufgabe des Staates für Hilfsprogramme und Unterstützungsleistungen zu sorgen. Als gemeinnütziger Förderverein können wir keine Einzelfallhilfe leisten. Laut unserer Satzung fördern wir eine Institution, nämliche die Schule Sukuta-Wannsee, nicht einzelne Mitglieder oder sonstige Personen. Das Board The Gambia wird kurzfristig die Lage beraten und bewerten. Davon werden wir weiter berichten. Im Moment bleibt nur die Hoffnung, dass die Verbreitung des Virus Covid 19 flach verläuft und die Folgen erträglich und beherrschbar bleiben. Jetzt ist die junge gambische Demokratie vor eine erste große Bewährungsprobe gestellt.  

Marina Jarra,   25.März 2020

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