Schulalltag

Ich sitze unter dem großen Baum auf der Zementbank und genieße den noch kühlen Wind. Es ist Unterricht, aber der Schulhof ist nicht leer. Die Imbissverkäuferinnen bauen ihre Tische auf. In der großen Pause werden sie Brote mit Bohnenmus, Wassereis, Wonjorsaft und kleine Pfannkuchen verkaufen. Ein halbes Baguette kostet 12 Cents, ein Eis am Stil fünf. Alle Vor- und Grundschulkinder essen unseren Frühstücksbrei, aber die meisten haben noch ein paar Dalasis für den Pausensnack mitbekommen. Es ist ja auch ein langer Schultag, für die Grundschulkinder dauert er bis 15 Uhr. Die Frauen haben einen eigenen Verein und wechseln sich tageweise ab. Ich kaufe mir einen leckeren Wonjorsaft für 9 Cents.

In einer Ecke unter einem anderen Baum steht ein Vater, schon an die 70, hinter einem Schultisch auf dem er Bleistifte, Radierer, Anspitzer, Kugelschreiber und Schulhefte ausgelegt hat. Viele Kinder kaufen bei ihm in den Pausen. Er hat zwei Söhne in der Schule, die jetzt in der 9. Klasse sind und vor dem Abschlussexamen stehen.

Die Köchinnen tragen große Schüsseln mit Brei vor die Küchentür. Jetzt kommen die ersten VorschülerInnen aus den Klassen und stellen sich in einer Schlange vor den Schüsseln auf.

 

Eltern gehen über den Schulhof zum Sekretariat. Viele kommen jetzt um den Beitrag für eine Klassenfahrt nach Georgetown (ca. 300 km flussaufwärts) zu bezahlen. Ca. 60 SchülerInnen werden mit vier LehrerInnen dorthin fahren und in örtlichen Schulen übernachten. Gekocht wird selbst. Auf dem Programm stehen die Steinkreise, das Sklavenhaus, St.James Island und Juffureh, Dauer: 3 Tage. Die Eltern bezahlen die Hälfte der Kosten, ca 8,- €, die andere Hälfte bezahlen wir.

Auf dem Schulhof der Oberschule sind die neuen Toiletten fertig. Offiziell sollen sie erst eingeweiht werden, wenn unser Vorstandsmitglied Waldraute hier ist, also in ca. 3 Wochen. Sie können aber schon benutzt werden. Die Toiletten sind sehr chic, 4 für Mädchen, 4 für Jungen. Damit es in den engen Gängen nicht zum Gedränge kommt, stehen vor der Eingangstür 4 Paar Flip-Flops. Die sollen benutzt werden, wenn man auf die Toilette geht. Wenn alle 4 Paare weg sind, heißt das, dass alle 4 Toiletten besetzt sind und man nicht in den engen Gang gehen soll. Mal sehen., ob das klappt.

Zwei Arbeiter heben auf dem neuen Schulhof Pflanzlöcher für die Bäume aus, die später einmal Schatten spenden sollen. Zwei weitere ebnen den Hof. Der Aushub der Sickergrube muss verteilt werden. Die Erde ist hart wie Beton wegen der Trockenheit.

Jetzt klingelt ein Schüler zur Pause. Er schwingt eine große Glocke. Wie überall stürmen die SchülerInnen mit Radau aus den Klassen. Wo ist die Aufsicht?
Da ist sie. Der Religionslehrer. Er muss erst mal ein Problem klären: Tische und Stühle sind vor dem Büro aufgestapelt. Sie kommen aus Deutschland und wurden gestern vom Container abgeholt. Morgen sollen sie in die 5. und 6. Klasse, wo jetzt einige Notmöbel sind. Nun spielen die Kleinen in den aufgestapelten Möbeln. Der Aufsichtslehrer scheucht sie weg und lässt zwei große Jungen zur Bewachung zurück. Dann setzt er sich auf einen erhöhten Platz und behält die Übersicht.

 

Einige KollegInnen gehen ins Lehrerzimmer, doch der wenige Platz dort ist meist schon von den LehramtsanwärterInnen der Oberstufe belegt, die an ihren Laptops hängen. Die GrundschulkollegInnen bleiben meist in ihren Klassen.

Ich will den Schulleiter fragen, ob am Freitag Dienstbesprechung angesetzt ist. Aber er ist auf einer Fortbildungsveranstaltung des Ministeriums im Kairaba Hotel, sagt mir die Sekretärin. Ein Fünf-Sterne-Hotel. Ich bin beeindruckt und frage den Stellvertreter. Ja, Freitag um 11.30 Uhr ist Dienstbesprechung.

   
 Das Glück des Lesens  Viele alte und neue Bücher zum ausleihen

Nun gehe ich in meine Bücherei zurück und bereite mich auf die nächste Gruppe vor. 15 Sechstklässler werden an einer kleinen Geschichte schreiben. Zuerst muss ich aber den Boden fegen, denn jede Gruppe schleppt einen Eimer voll Sand herein. Es ist so windig und staubig, der feine Sand dringt überall durch. Wir sitzen in der Bücherei oft auf dem Boden, deshalb muss gefegt werden. Ich hoffe, dass einige unserer kleinen Geschichten auch in Deutschland wieder Leser finden werden.


Nyamasata ist Schülerin der Klasse 8 und hat einen Bericht über den Vorlesewettbewerb geschrieben.

In der nächsten Woche steht ein Vorlesewettbewerb an und eine ernste Elternversammlung die 8. Klasse betreffend. Es scheint, dass die SchülerInnen nicht den gebührenden Respekt zeigen. Kommt uns das bekannt vor?
Außerdem bereiten sich alle auf die „End of term exams“, die vierteljährlichen Prüfungsaufgaben, vor.

Dieser Bericht von unserem normalen Schulalltag geben euch vielleicht einen kleinen Einblick.

Marina, März 2015


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