Weiter gemeinsam für unsere Schule in Sukuta

Letztes Jahr nahmen viele von uns an der 25-Jahr-Feier der Sukuta-Wannsee-Schule in Gambia teil. Das war ein besonderes Ereignis. Es hat uns Kraft gegeben und Mut gemacht, einen weiteren wichtigen Schritt zu wagen und den Ausbau der Schule mit drei Upper-Basic-Klassen zu fördern. Unser Vorstandsmitglied Alfred Harnischfeger und seine Frau Petra waren dieses Jahr Ostern wieder vor Ort und fassen ihre Eindrücke in diesem Bericht zusammen.

     Lege das Ruder erst dann nieder, wenn das Boot an Land ist. Afrikanisches Sprichwort

Ostern 2015: In Deutschland lässt der Frühling auf sich warten. 10 Grad Ende März geben wenig Hoffnung auf sonnige Ostertage. Nur zögerlich zeigt die Natur, dass der Frühling naht. Sieben Flugstunden weiter, von Frankfurt über Barcelona nach Banjul, und alles sieht anders aus: Lufttemperatur 35-40 Grad, weißer Sandstrand, klares, warmes Wasser und ein kühler Wind vom Meer machen die trockene Hitze gut erträglich.

Im ersten Jahr nach der schönen 25-Jahr-Feier mit allen Schülerinnen und Schülern, deren Eltern und dem Kollegium bietet die Sukuta-Wannsee-Schule ein verändertes Bild.

Die große Grenzmauer, die die Schule vom Nachbargrundstücke trennte, ist erweitert. Das Schulgelände hat sich um ein Drittel vergrößert, ein neues Schulgebäude mit drei Klassenräumen für die Jahrgänge 7, 8, und 9 ist entstanden. Neue Toilettenanlagen wurden gebaut und ein kleiner Waschplatz mit vier Wasserhähnen sorgt für Sauberkeit und Hygiene. Dafür gespendet haben die Kinder einer 4. Grundschulklasse in Volmerdingsen, Westfalen.

Nach langen, teilweise schwierigen Verhandlungen mit den Eigentümern konnte der örtliche Elternverein das Gelände für den Bau der Upper-Basic-Klassen erwerben und die Bauarbeiten beginnen.

 

Rechts zu sehen ist das neue Gebäude für die Klassen 7,8 und 9,
die neu gebaut worden sind. (Blick auf den Schulhof)

Zwei Basketballständer stehen etwas verloren im Sand des weitläufigen Schulhofes. Es ist, wie in Deutschland, Osterferien. Eine Handvoll Bauarbeiter zeigen, dass der neue Schultrakt noch nicht fertig ist, obwohl in den Klassenräumen schon Unterricht stattfindet. In der Sommerzeit kein Problem. In einigen Räumen fehlt noch die Zwischendecke, in anderen die Verglasung der Fenster. Frische Luft dringt durch die Fensternischen nach innen.

Sambou Kanteh, der Schulleiter, ist über jeden Abschnitt der Baumaßnahmen informiert und erklärt geduldig, wie viele Hände und Stunden nötig waren, um den jetzigen Stand zu erreichen. Die Gebäude sind teils in Eigeninitiative der Eltern, Lehrer und Schüler, teils durch bezahlte einheimische Arbeiter entstanden. Eine graue Mauer trennt das neue Areal von der noch immer bestehenden Müllhalde, die ihren beißenden Rauchgestank manchmal in Richtung Schule treibt. Wie in allen Schulen der Welt sind in den Ferien die Möbel in der Mitte gestapelt, um der üblichen Grundreinigung nicht im Wege zu stehen.

Nach einem ersten Rundgang prüfen Marina und Petra die Haushaltsbelege. Mich zieht es in die Bibliothek, den schönen Rundbau, der vor acht Jahren nach den Entwürfen von Marina Jarra und Alpha Jallow, Bauingenieur und Vater, dessen Kinder hier in die Schule gehen, entstanden ist. Der Raum ist kühl. Die Bücher sind nach Themen und Lesealter geordnet und überhaupt, er strahlt eine Ruhe und gewisse Würde aus. Er wird nicht mit den Schuhen betreten, ist immer sauber und lädt zum Lesen und Verweilen ein.

Bibliotheken gibt es bei uns an den meisten Schulen. Bewertet werden sie nach der Anzahl der vorhandenen Medien und nach Ausleihzahlen. Sie sind voll mit moderner Technik und alle Bücher sind elektronisch erfasst. Hier ist kein PC und es gibt keine digitale Vernetzung. Wer hier etwas liest, stellt es wieder dahin, woher er das Buch genommen hat. Wenige Regeln weisen darauf hin, dass dieser Raum etwas Besonderes ist.

Ein Mädchen, vielleicht acht Jahre alt, liest in einer Schulfibel leise Wort für Wort und versucht den Sinn der Sätze zu erfassen. Meine Gedanken kreisen um die Frage: „Was tun wir hier eigentlich?“. Ja klar, wir wollen helfen und unterstützen, Bildungsangebote machen. Aber was bringen wir, was bieten wir an? Ich denke an die vielen Flüchtlinge auf dieser Welt. Die WHO sagt, es seien mehr als 50 Millionen. In mörderischen Überfahrten von Afrika nach Europa wird das Mittelmeer mehr und mehr zu einem toten Meer. Junge Männer, Mütter mit Säuglingen, junge Frauen riskieren ihr Leben für ein bisschen Glück, das sie sich in Europa erhoffen. Die Angst vor Krieg und Vertreibung, die Missachtung der Menschenrechte durch die Mörderbanden des IS vertreibt die Menschen aus ihren Häusern, die oft nur aus Wellblechwänden und nacktem Fußboden bestehen.

Ich kann nicht beurteilen, ob es richtig und falsch ist, sich Schlepperorganisationen anzuvertrauen, um seinem Leben neue Hoffnung zu geben. Ich weiß nur, dass dieser Weg oft in bitterer Enttäuschung endet. Wir als Verein und mit uns zahlreiche Unterstützer haben uns für den Weg der Hilfe zur Selbsthilfe entschieden. Wir ermöglichen in Einzelfällen eine teure Operation, die einen Fünfjährigen vor dem Leben als Krüppel bewahren soll und sind glücklich, ihn heute mit anderen Fußballspielen zu sehen. Wir fördern Bildung, weil wir glauben, dass das der richtige Weg ist, Leben zu verändern, Zukunftschancen zu eröffnen. Und was haben die Menschen, wenn sie lesen und schreiben können, ihren Gedanken- und Lebensraum erweitern? Weckt das nicht einfach nur neue Begehrlichkeiten? Muss das alte Nokia durch ein modernes Smartphone ersetzt werden?

   Bereit zum Ausflug in 2 gemieteten Bussen


Wir besuchen einen Ort, der meine Zweifel besänftigt. ‚My Farm‘, ein Projekt einer norwegischen Nicht-Regierungs-Organisation, zeigt dort einen Weg, der gut zu unserem Engagement Investition in Bildung passt. Hier lernen junge Menschen ihre Natur, ihr Hiersein nicht als Sackgasse zu empfinden, sondern als Chance.

Einfachste Mittel der Energiegewinnung sorgen für Energien zum Kochen und ersetzen Elektroherde. Die fachgerechte Kompostierung von Abfällen produziert Biogas und wird so zu einer unerschöpflichen Energiequelle. In Hochbeeten gedeiht Gemüse und Salat wächst in dicken Köpfen. Mangos werden zu Marmelade verarbeitet und aus den Blüten einer Wonjorpflanze entsteht ein köstlicher roter Saft.

Wir sind uns mit dem Schulleiter und dem Leiter der Grundschule schnell einig, dass dies ein Ort ist, den sie mit den Schulkindern besuchen wollen. Schulklassen sind hier willkommen.

Marina sagt, es gibt mehrere Projekte dieser Art. Schön zu wissen, dass es vergleichbare Projekte und Initiativen gibt. Aus meinen Zweifeln wird die Hoffnung, ja sogar die Gewissheit, dass das, was wir und andere in Gambia tun, einen Sinn macht. Wir werden Schulklassen auf „My Farm“ bringen. Wir werden ihnen zeigen, dass es richtig ist, Lesen und Schreiben zu können, den eigenen Horizont und Lebensraum zu erweitern. Wir werden mit anderen kleine Netzwerke schaffen. Vielleicht können wir unseren bescheidenen Mitteln dazu beitragen, dass die Menschen in ihrem Land, in Gambia ihre Zukunft sehen und dort Chancen liegen.

Und diese Botschaft scheint die Menschen schon erreicht zu haben. Immer mehr Eltern wollen ihre Kinder auf die Sukuta-Wannsee-Schule schicken. Aus dem Ziegenstall als erster Unterrichtsraum vor 26 Jahren, ist eine moderne Schule geworden, in der über 600 Schülerinnen und Schüler ihre Zukunft gestalten wollen.

Wir werden wieder kommen. Wir werden weiter für diese Schule Geld sammeln und andere davon überzeugen, dass es sich lohnt, Geld zu spenden und hier in Bildung zu investieren. Wir haben nun in dem Elternverein Association Sukuta-Wannsee, The Gambia einen Partner mit dem wir künftig alle Schritte gemeinsam festlegen können. Und der Zeitpunkt rückt näher, zu dem wir unseren Freunden hier in Gambia die volle Verantwortung übergeben können.

Alfred Harnischfeger




 

 

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