Sinn des Engagements in der Sukuta-Wannsee-Schule in Gambia

Zum Bericht unseres Vorstandsmitglieds Alfred Harnischfeger, der auch die Frage nach dem Sinn des Engagements in Sukuta stellte, wollte sich auch unsere Vorsitzende, Marina Jarra, äußern. Die Fragen stellte Petra Boulannouar, Schulleiterin einer Gesamtschule in Hessen.

Frage: Marina, Afrika ist zurzeit wegen der vielen Flüchtlingstoten bei der Überquerung des Mittelmeers in den Fokus der europäischen Außenpolitik gerückt. Du bist seit mehr als 25 Jahren maßgeblich verantwortlich für das Gelingen eures Projektes und Engagements in Gambia an der Sukuta-Wannsee-Schule. Ist das euer, dein Weg den Afrikanern zu helfen?
Marina: Wir können mit unserem Projekt die Welt nicht retten und die Flüchtlingsströme über das Meer nicht aufhalten oder vermindern.

Frage: Was ist eure Motivation?
Marina: Als wir vor 26 Jahren die Minivorschule gründeten, haben wir damit dem Wunsch zweier Lehrer und 19 Eltern entsprochen. Wir, die Gruppe der Conradschule, haben es einfach gemacht, ohne groß darüber zu theoretisieren. Im Laufe der Jahre haben wir jede Erweiterung auf Bitten und Drängen der Lehrer- und Elternschaft in Sukuta vorgenommen. Das war nicht immer einfach. Die Verantwortung für die Zukunft des Projektes schien uns manchmal zu groß. Dennoch ging es stetig aufwärts.

Frage: Woran lag das?
Marina: Das lag vor allem daran, dass wir nicht als „Gutmenschen“ auftraten, sondern versuchten, immer alle mitzunehmen, ein funktionierendes Gemeinwesen zu schaffen.

Frage: Haben eure inzwischen mehr als 500 Schülerinnen und Schüler durch eure Schule bessere Chancen sich im Leben zurechtzufinden?
Marina: Ja, eindeutig! Wäre das nicht so, würden die Eltern hier nicht das Schulgeld bezahlen, das sich viele vom Munde absparen müssen. Der Andrang zur Aufnahme bei uns ist sehr groß, trotz Schulgeld.

Frage: Was macht euer Projekt so wertvoll für die Schülerinnen und Schüler und worin bestehen ihre Chancen?
Marina: Bei uns geht es nicht nur um das ABC und das Einmaleins. Das Kollegium kümmert sich. Die SchülerInnen reden mit. Sie werden ernst genommen. So werden sie hoffentlich einmal selbstbewusste und engagierte Bürger.

Frage: Wie engagieren sich über die Zahlung des Schulgeldes hinaus die gambianischen Eltern in der Schule?
Marina: Zum Beispiel haben einige beim Bau der Oberstufe Hand angelegt. Viele Mütter kochen bei Schulfeiern. Ein Vater leitete unentgeldlich den Bau der Bücherei.

Frage: Kann bessere Schulbildung davon abhalten, nach Europa zu wollen?
Marina: Nein.

Frage: Liegt der Grund für den Wunsch nach Europa zu kommen hauptsächlich an den ökonomischen Bedingungen hier in Gambia?
Marina: Wenn die wirtschaftlichen und politischen Bedingungen hier zum Besseren gewendet werden könnten, würde wohl kaum ein Gambianer im kalten Deutschland leben wollen. Bildung ist meiner Meinung nach der entscheidende Hebel für eine bessere Zukunft.

Frage: Haben Sukuta-Wannsee Kinder Lust auf Schule?
Marina: Ja!!! In den letzten drei Monaten habe ich 4 Tage in der Woche Leseunterricht für ca. 300 Schulkinder in mehreren Gruppen in der Bücherei gegeben. Es gab nicht ein einziges Kind, das Unlust zeigte oder Ablehnung signalisierte. Die Schülerinnen und Schüler sind von 9.30 bis 15.30 Uhr in der Schule und selbst in der größten Mittagshitze noch zu motivieren.

Vielen Dank für das Gespräch

 

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