Berichte

Wieder ein Besuch in Sukuta

Erstaunlich, welche Entwicklungen nach einem Jahr zu beobachten sind: Die Nursery School hat ein neues dreiklassiges Gebäude gleich rechts vom Eingang auf dem erweiterten Schulgelände bekommen! Mit der eindrucksvollen Bibliothek auf der anderen Eingangsseite, den sich anschließenden Lower Basic Gebäuden für sechs Klassen, dem Sekretariat mit dem Büro des Schulleiters, dem neu gestalteten großzügigen Lehrerzimmer mit der Einrichtung von Computerarbeitsplätzen und dem fertiggestellten Upper Basic Bereich für die 7.- 9. Klasse, mit der geräumigen Küche und den Toiletten präsentiert sich die Sukuta-Wannsee-Schule als ein komplettes, eindrucksvoll abgerundetes Schulsystem!

  

  

Mich empfängt eine fröhliche, begeisterte Atmosphäre, wenn ich den Pausenhof betrete. Ich kann nicht anonym bleiben: Mit meiner weißen Haut werde ich gleich als Mitglied des Fördervereins aus Germany erkannt. Kinder und Erwachsene begegnen mir mit teils scheuem, teils offenem Interesse. Ich werde herzlich begrüßt und fühle mich willkommen.

 

 

Es beeindruckt mich, wie Erfahrungen aus Sambou Kanthes, des Schulleiters, Besuch bei uns in Berlin umgesetzt werden: Es gibt z.B. einen Schulhofdienst, der für Sauberkeit auf dem Gelände sorgt. Neu ist die Initiative, dass zwei Dalasi gezahlt werden müssen, wer beim Fallenlassen von Papier erwischt wird. (Siehe Fotos) Es gibt einen Dienst von Schülern, die in den Pausen Material wie Springseile ausgeben und nachher wieder einsammeln. So wird im Kleinen Verantwortung eingeübt.

Besonders erstaunlich erlebte ich die durch Marina Jarras Anregung initiierte Schülerzeitung, die von einer kleinen Gruppe der Upper Basics herausgegeben wird und als Wandzeitung etwa alle zwei Monate am Schwarzen Brett erscheint. Da wird über Schulinternes wie Klassenausflüge berichtet, aber z.B. auch angeregt durch einen Zeitungsbericht das Thema des im November 2015 von der Regierung verfügten Beschneidungsverbots von Mädchen aufgegriffen! Wieder ein Schritt weiter in einem Land, in dem das Lesen von Tageszeitungen noch nicht Gang und Gäbe ist. Durch die Veröffentlichung von gesellschaftlich relevanten Themen können Informationen wirkungsvoll weiter gegeben werden. So sind nun zwar alle Bewohner verpflichtet zu melden, wenn sie von Beschneidungszeremonien erfahren, doch wirkungsvoll kann sich das Verbot erst durchsetzen, wenn sich das Bewusstsein verändert. Zumindest können Beschneidungszeremonien nicht mehr wie bisher öffentlich gefeiert werden. Und Mädchen lernen, dass sie sich, wie auch gegen Zwangsheirat, widersetzen können!
Gewohnt habe ich übrigens mit einer Reisegefährtin, deren erste Reise es nach Gambia war, in dem größeren, frisch hergerichteten Haus auf Marina Jarras Compound – einer wunderbaren friedlichen Oase, in der wir sowohl Ruhe genießen wie auch viele interessante Leute kennen lernen konnten.

Mit Dankbarkeit für diese erfüllte Zeit – Waldraute Hölter

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