Besuch Gabriele Garms 2012

(Bericht von Gabriele Garms 2012)

Good morning, how are you? Fine thanks. How do you like Gambia, where do you come from?
Die gängige Begrüßungsformel in Gambia. Ohne Englisch geht kaum etwas in diesem Land und schon gar nicht, wenn man im Leben vorankommen möchte.

Goldrichtig liegt da die Nursery- und Primary School, Sukuta-Wannsee mit ihren 3 Nursery Klassen, in denen die Schülerinnen und Schüler systematisch auf die englische Sprache vorbereitet werden, denn in allen Schulen und im öffentlichen Leben ist Englisch die Amtssprache.

Bei unserem (Gabriele Garms, Urte von Bremen) Besuch in Gambia hatten wir dreimal die Gelegenheit, die Schule Sukuta-Wannsee zu besuchen. Kollegium und Kinder sind Besuche sichtlich gewohnt. Wir wurden freundlich und ohne großes Aufheben begrüßt und wahrgenommen. Der Schulleiter, ein imposanter Mann mit natürlicher Autorität, managed unaufgeregt und klug hinter seinem kleinen Schreibtisch in einem Miniraum diese Schule mit immerhin 300 Kindern. Demnächst soll Mamsuli, zuständig für die Computer an der Schule, ihm als Sekretär zur Seite stehen.

Gerne nahmen wir die Gelegenheit wahr neben den Unterrichtsbesuchen auch an der wöchentlich stattfindenden Freitagskonferenz des Nurseryclass-Teams teilzunehmen, bei der Erfahrungen und Probleme in den Nurseryklassen besprochen werden. Highlight war eine Fortbildung an einem Samstag, an der 10 Lehrerinnen und Lehrer, die Schulleitung und der Schulsprecher teilnahmen. Ein Kollege von der Universität Banjul informierte über die Methode „Jolly Phonics“ beim Erlernen der englischen Sprache. Die 43 Laute der englische Sprache werden handlungsorientiert gehört, gesprochen, mit dem ganzen Körper erfahren, geschwungen und wieder erkannt mit dem Ziel, Laute und Wörter der englische Sprache nach dem Gehör aufzuschreiben.

Es hat mich sehr begeistert, denn diese Methode entspricht dem modernen Stand der Pädagogik in Deutschland "Lesen durch Schreiben". Erstaunt waren wir über die Diskussionsfreudigkeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ein Erfolg der ständigen Ermutigung durch die Schulleitung. "Daran wird auch ständig geackert", O-Ton Marina. Bei unseren Besuchen in den Nursery-Klassen waren wir natürlich sehr gespannt auf die Umsetzung dieser Methode, die auf unterschiedlichem Niveau geschieht. Es ist sicherlich nicht leicht, sich von dem lang praktizierten Unterrichtsstil des Vor- und Nachsprechens im Chor zu verabschieden und handlungsorientierten, selbsttätigen Unterricht durchzuführen. In einer Klasse gelang das hervorragend, trotz des Platzmangels in dem viel zu kleinen Raum für 36 bis 38 Kinder. Es können keine Tische für Materialien aufgestellt werden, die Kinder müssen beim Platzwechsel über andere Kinder steigen. Handlungsorientierte Gruppenarbeit ist sehr mühselig. Trotzdem wurde sie in der 3. Nursery- Klasse in einer Englischstunde zum Thema „Body“ wunderbar praktiziert, dabei ging es zwar laut, aber sehr engagiert zu

Mit der Verpflichtung zur Lehrerfortbildung hat die Schule sicherlich eine wichtige Voraussetzung für guten Unterricht geschaffen. Allerdings stößt durch die große Platznot die Durchführbarkeit stark an ihre Grenzen. Ziel müsste es sein, die Klassengrößen auf 25 Kinder zu reduzieren und eventuell einen Gruppenraum zu schaffen, in dem auch mit kleineren Gruppen gearbeitet werden kann. Natürlich kostet das wieder viel Geld, aber Visionen stehen immer am Anfang einer guten Idee und der Verein hat schon so viel vorangebracht. Die guten Ergebnisse bei den Vergleichsarbeiten in Klasse 3 und 5 beim National Assessement, sowie die lange Warteliste für die Schulaufnahme sprechen für sich. Ein erhöhter Kostenanteil der Eltern bei den Nursery-Klassen könnte sicherlich Entlastung bringen, denn schließlich sind diese Klassen der Grundstock für die weitere Arbeit an der Schule, nicht zu vergessen, dass eine warme Mahlzeit kostenlos angeboten wird.

Unsere Besuche in der Schule waren natürlich Inhalt vieler Gespräche mit Marina vor Ort. Sie ist so involviert in das Geschehen an der Schule, ohne ihr Engagement, ihre Präsens und ihr Wissen würde die Schule nur halb so gut laufen. Wir waren sehr angetan von der Flexibilität und dem Interesse der Schulleitung und des Kollegiums, die Kinder an der Schule voran zu bringen. In den nächsten Wochen steht eine staatliche Schulinspektion an, durchaus vergleichbar mit den Inspektionen an deutschen Schulen. Ein Komitee von 7 Personen wird die Schule besuchen und alle Bereiche vom Unterricht über Befragung der Schulleitung, des Kollegiums, der Elternvertretung und der Schülervertretung, bis zur Inspektion der Toiletten und Klassenräume, beurteilen. Es gibt eine nationale Rankingliste und wir sind sicher, dass unsere Sukuta-Wannsee-Schule einen guten Platz auf dieser Liste einnehmen wird.

Gabriele Garms 2012

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