30 Jahre Sukuta-Wannsee e.V.

Wer hätte das gedacht, dass die von damaligen Lehrer*innen der Conradschule im Januar 1989 gegründete Initiative „Sukuta-Wannsee-Vorschule“ sich so gut entwickelt hat, dass wir heute auf eine 30-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken können. Viele damalige Gründungslehrkräfte unterstützen unser Projekt nach wie vor mit ihren Beiträgen und Spenden und sind vielleicht heute anwesend.

Es begann so, dass zwei arbeitslose Lehrer in der Nähe des Fischerdorfes Sukuta in Gambia, die beiden Urlaub machenden Lehrerinnen Marina Jarra und Inga Breusing kennen lernten. Im Gespräch berichteten sie, dass die Kinder in Gambia mit 8-9 Jahren in die Grundschule gehen, in der Englisch die Unterrichtssprache ist. Da die Kinder zu Hause Woloff, Mandinka, Fula oder eine der anderen Landessprachen sprechen, können sie dem Unterricht meist nicht folgen.

Das ist für Marina und Inga Motivation genug, in Berlin 22 ihrer Kolleg*innen zu überzeugen, den Förderverein Sukuta-Wannsee e.V. zu gründen um in Gambia mit einer Vorschule zu beginnen. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf 10.- DM monatlich festgelegt. Zur Deckung aller Kosten werden nach Gambia 320.- DM überwiesen. Davon mieten die beiden Lehrer einen Ziegenstall ohne Tür und Fenster, mieten Bänke, kaufen Kreide und Tafelfarbe. Um die Schuleinrichtung gegen Diebstahl zu sichern, muss noch eine Tür gekauft werden, so dass von diesem Geld nur noch die Hälfte für den Lohn der beiden Lehrer zur Verfügung steht.

Am 1. März 1989 beginnt der Unterricht der „Sukuta-Wannsee Nursery School“ in Sukuta mit zwei Lehrern und 40 Kindern von 6 – 8 Jahren. Die Kinder schreiben und malen auf Holzbrettchen. Sie werden an 5 Vormittagen in der Woche in den Fächern Englisch -Vokabular der Alltagssprache - sowie Buchstaben des Alphabets und Rechnen – im Zahlenraum 1 – 20 unterrichtet.

In der nachfolgenden Abrechnung drücken die beiden gambischen Lehrer ihre tiefste Dankbarkeit an „Inga und der Gruppe der Förderer“ aus. Der Verein in Berlin finanzierte so gut es ging die Vorschule über die Beiträge der Mitglieder. Das reichte nur, um das Nötigste zu finanzieren. Man lebte viele Jahre von der Hand in den Mund.

Den ersten finanziellen Schub bekam der Verein Sukuta-Wannsee durch ein großes Benefizfest 1991, das die Conradschule für uns veranstaltete. Knapp 9.200.- DM kamen dabei zusammen. So konnte der Verein damit das Schulgrundstück erwerben. Um den Zugang zu diesem Grundstück wurde 2 Jahre später zäh gerungen. Das Grundstück wurde gerodet, ein Brunnen gebaut und Bäume wurden gepflanzt. Der Bau des ersten Schulgebäudes mit 3 Klassenräumen für die Vorschulklassen 1 – 3 beginnt und kann 1994 fertig gestellt werden. Es sollen in den Jahren noch einige Schulgebäude folgen.Die Aktivitäten der Conradschule in Berlin-Wannsee sind für unserenentifizieren sich mit Sukuta. Sie unterstützen unser Bildungsprojekt durch Spenden aus großen und kleinen Aktionen. Zuletzt mit der sehr erfolgreichen Stuhlaktion (künstlerisch gestaltete ausrangierte Schulstühle wurden versteigert). Für das Engagement der Schule sagen wir Danke !!Aber auch von anderen Schulen in Berlin und deutschlandweit werden und wurden wir großzügig unterstützt. Ihnen gilt genauso ein Dank, denn wir sind auf diese Unterstützungen als Schule in privater Trägerschaft angewiesen.

Im Jahr 2006, der Verein hat mittlerweile 90 Mitglieder, wird auf der Mitgliederversammlung nach langer Diskussion beschlossen, eine 6-klassige Grundschule Zug um Zug aufzubauen. Keiner ahnte dazumal, wie sich die Schule entwickeln wird. Heute wissen wir es. Denn mit einer 3-klassigen Oberschule ging der Aufbau anschließend weiter. Über 600 Schüler und über 36 Angestellte bilden heute den Kern der Schule. Dass diese Entscheidung richtig war, bestätigen die guten Abschlussergebnisse der Neuntklässler, die regelmäßig zu den Besten des Landes zählen.

Nach jahrelangem Kampf mit der Wasserbehörde erhielt die Schule 2006 endlich eine Wasserleitung für sauberes Trinkwasser.

Das Jahr 2008 war finanziell bis dato das erfolgreichste Jahr und geprägt von Veränderungen. Das Bankkonto musste umgestellt werden, der große Afrikabasar in der Kastanienschule war sehr erfolgreich, die Gesamtschule Kelsterbach IGS spendete den Schulbus und sorgte für die Übernahme großer Teile des Transportes.

2009 konnte ein langgehegter Wunsch von Marina, der Vorsitzenden und vor Ort Anwesenden, in die Tat umgesetzt werden. Durch eine große Spende konnte das weithin bewunderte Wahrzeichen der Schule, die Schulbibliothek, verwirklicht werden. Sie wird bis heute von den Schülern gut genutzt. 2009 konnten wir auch das 20-jährige Bestehen feiern. Eine vielbeachtete Chronik wurde dazu erstellt.

Die positive Entwicklung des Vereins von 1989 bis heute hat viele „Paten“. Zum einen fühlen sich die Mitglieder gut unterrichtet und würdigen die Arbeit durch zusätzliche Spenden. Aber auch die Spenden von Nichtmitgliedern helfen uns sehr weiter.

Zum anderen hat der Verein, wenn es darauf ankam, „das Glück des Tüchtigen“ erfahren dürfen. Da haben sich die gute, uneigennützige Arbeit aller Vorstandsmit-glieder und immer wieder persönliche Beziehungen einzelner im wahrsten Sinne des Wortes „bezahlt gemacht“.

Aber unverzichtbar bei allem ist „Die Mutter von‘ s Janze“, nämlich unsere Vorsitzende Marina Jarra. Sie ist durch ihre halbjährliche Anwesenheit in Sukuta und „Rundumsicht“ in Gambia am Erfolg unseres Vereins maßgeblich beteiligt. Dafür danken wir ihr sehr herzlich.

Ende April 2019 ist eine sehr gut gelungene Gruppenreise zu Ende gegangen. Ich habe viel Positives darüber gehört und wünsche unserem Verein, dass wir alle noch viele Jahre dieses Projekt Sukuta-Wannsee fördernd begleiten.

Margot  Schuch, Berlin den 4. Juni 2019

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