TRRC - The Truth, Reconciliation and Reparations Commision, The Gambia

Die Gambische Wahrheitskommission

Im Dezember 2016 gewann eine Koalition verschiedener Parteien die Wahlen in Gambia und der Diktator Yaya Jammeh wurde durch den Kandidaten der Koalition, Adama Barrow, abgelöst. Jammeh verließ das Land mit der Staatskasse und all seinen angehäuften Besitztümern. Seitdem leben die Menschen ohne Angst vor willkürlichen Verhaftungen. Es herrscht Meinungsfreiheit.

Nach den 22 Jahren der Jammeh-Diktatur wurde im Dezember 2017 eine öffentlich tagende Kommission ins Leben gerufen. Sie soll die Ereignisse untersuchen, die zur Machtergreifung Jammehs geführt haben, sowie die Wahrheit über die Morde und Folterungen in der Zeit der Diktatur aufdecken. Sie soll zur Wiedergutmachung und Aussöhnung beitragen .. Schonungslos und ohne Ansehen der Person wird offen gelegt, was geschehen ist, um eine Wiederholung der verbrecherischen Taten eines autokratischen Systems in der jungen Demokratie Gambia zu vermeiden

Diese Kommission, deren Mitglieder aus unterschiedlichen Berufen kommen (Näheres kann man im Internet unter dem Stichwort TRRC Gambia nachlesen), recherchierte ein Jahr lang und begann im November 2018mit der Vernehmung von Zeugen unter dem Motto: Never again. Über 1000 Zeugen sind geladen. Es wird erwartet, dass die Sitzungen über Jahre fortgeführt werden. Im Rundfunk und im abendlichen Fernsehen werden sie jede Woche von Montag bis Donnerstag unter großer Anteilnahme der gambischen Bevölkerung übertragen. Auch im Internet kann man Sitzungen verfolgen.

Ich möchte hier meine persönlichen Eindrücke von diesen Befragungen kurz schildern.

Die Zeugen sind Opfer und Täter, manche sind beides in einer Person. Die Kommissionsmitglieder versuchen durch sehr detaillierte Fragen ein Bild der jeweiligen Situation damals entstehen zu lassen. Für die Zuschauer entsteht so ein bedrückendes, aufwühlendes Szenario, das manchmal noch am nächsten Tag, wenn darüber in der Schule gesprochen wird, Tränen fließen lässt. Folterungen werden so intensiv vor Augen geführt, dass selbst die Kommissionsmitglieder, die eigentlich immer versuchen sachlich zu bleiben, manchmal die Hände vor das Gesicht halten. Alle Zeugen müssen vor der Befragung einen Eid schwören, die Wahrheit zu sagen. Die Täter, das heißt, diejenigen, die an Folterungen und Ermordungen beteiligt waren, werden an einem entscheidenden Moment mit ihrer Schuld konfrontiert und müssen dazu Stellung nehmen. Vor der Fernsehkamera und vor tausenden von Zuschauern spiegeln sich dann auf den Gesichtern der Zeugen die Emotionen vom Leugnen bis zum Anerkennen der Schuld in dramatischer Weise.

Gambia ist ein sehr kleines Land. Viele Zuschauer kennen die Opfer und die Täter persönlich. Ich bin tief beeindruckt von dem Mut der Zeugen, von der Art der Befragungen und von dem Willen der meisten Gambier, die Wahrheit über diese dunkle Zeit zu erfahren.

In den Zeiten nach unseren Diktaturen in Deutschland hätte uns das sicher auch gut getan.

Marina Jarra

Zwei Fotos von großen Postern zu diesem Thema. Sie stehen an der Hauptstraße. (von Urte zugefügt)

 

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