Was sich gerade in Gambia politisch tut

Es sind interessante Zeiten. Letzten Montag fand eine Demonstration gegen die verlängerte Amtszeit des neuen Präsidenten Adama Barrow statt. Er hatte versprochen nach drei Jahren zurück und dann nicht mehr anzutreten. Jetzt will er aber doch fünf Jahre bleiben und dann mit seiner neu gegründeten Partei antreten.
Es geht also um die Wahrhaftigkeit und die Versprechen der Politik.

Die zivile Bewegung "Drei Jahre sind genug" hatte die Demo lange angekündigt. Im Vorfeld wurden diese Akteure von der Regierung verteufelt und eingeschüchtert, schließlich wurde aber doch eine Genehmigung unter strengen Auflagen erteilt. Die Bevölkerung war nervös. Läden blieben geschlossen, viele Schüler blieben zu Hause. Viele Europäer kauften Vorräte ein.
Die Demo fand statt mit über 30.000 Teilnehmern aus dem ganzen Land. Alles verlief friedlich und diszipliniert. Ein Gewinn für die Demokratie und eine Lektion für die Regierung.
Wenn Barrow zum Ende seiner Amtszeit nicht zurücktritt, soll weiter demonstriert werden.
Was mich persönlich positiv stimmt, ist die breite Überzeugung, dass jetzt alles gesagt, jede Kritik und Meinung veröffentlicht werden kann und auch wird. Im Radio und im Fernsehen werden verschiedenste Standpunkte vertreten, die vier großen Zeitungen bringen kritische Kommentare, Features und Leserbriefe zu den Parlaments- und Regierungsentscheidungen. In der Schule werden diese Dinge diskutiert. Die ländliche Bevölkerung findet auch Gehör.
Es läuft tatsächlich nicht alles gut in der Entwicklung, aber ich glaube, die meisten Leute lassen sich nicht mehr für dumm verkaufen.
Die neue Verfassung wurde über viele Monate in Versammlungen im ganzen Land zusammengestellt und ist nun als Entwurf da. Noch einmal wurden alle, die es wollten, nach ihrer Meinung dazu befragt. Der Entwurf wird dann dem Parlament vorgelegt werden, bevor er mit einem Referendum finalisiert wird. Es ist ein guter Entwurf, denke ich. Er wurde in den Zeitungen veröffentlicht. Der größte Streitpunkt scheint zu sein, ob das Wort "secular", also laizistisch in die Präambel aufgenommen wird. Natürlich sind die traditionellen muslimischen Bestimmer dagegen und stacheln die Bevölkerung mit unsinnigen Argumenten auf, z.B. dass dann gleichgeschlechtliche Ehen erlaubt wären u.a.

Es wird sehr spannend sein, wer diese Deutungsschlacht gewinnt und sehr schade, wenn es die Fundamentalisten mit ihren Fake News wären.

 

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